DR. MED. HENRICH
PROVEGAN STIFTUNG
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Newsletter ProVegan: Ausgabe 37/2018

Die Fake-Ernährungsstudien „Pure“ aus Kanada mit den Empfehlungen, Milch, Fleisch, mehr Fett und weniger Kohlenhydrate zu konsumieren

Die Presse ist voll von den Ergebnissen der „Pure“-Studien und ihren Empfehlungen, mehr Fett, Milchprodukte und Fleisch zu essen. Daher ist es geboten, dies in aller Kürze zu analysieren. Denn entweder sind die federführenden Wissenschaftler unseriös oder es mangelt ihnen an fachlicher Befähigung. Was auf diese Wissenschaftler letztlich zutrifft, ist von aussen schwer zu beurteilen. Beurteilen kann man allerdings die Absurdität der Ergebnisse und der Empfehlungen der „Pure“-Studien gut.

 

2017 wurden die ersten Ergebnisse der „Pure“-Studie veröffentlicht. Zusammengefasst lauteten die Ergebnisse und Empfehlungen, man solle weniger Kohlenhydrate und mehr Fette essen, andernfalls steige die Mortalität. Dies war sogar der oft unfähigen DGE zu viel und sprach vom „Pure-Desaster“: https://www.dge.de/nachrichten/detail/das-pure-desaster/ Auch die Harvard Universität und die PCRM kritisierten die Studie und ihre methodologischen Fehler scharf: https://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/2017/09/08/pure-study-makes-headlines-but-the-conclusions-are-misleading/

 

https://www.pcrm.org/media/news/pure-study-killer-carbs-or-poor-living-conditions

 

Erstaunlich ist allerdings, dass sich die beteiligten Wissenschaftler um die Kritik nicht scherten und stattdessen 2018 weiteren Unsinn verbreiteten:

 

Im September 2018 erschienen aufgrund der Daten dieser „Pure“-Studie von diesen Wissenschaftlern die weiteren absurden Empfehlungen, dass Milch und Fleisch für die Herzgesundheit gut seien, die dann von der internationalen Presse mit Begeisterung verbreitet wurden: https://www.schweizerbauer.ch/politik--wirtschaft/agrarwirtschaft/milch-und-fleisch-herzgesund-44235.html Sogar das Ärzteblatt berichtete: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97840/Milchprodukte-koennten-vor-Herz-Kreislauf-Erkrankungen-schuetzen

 

Dies steht zum Beispiel im krassen Gegensatz zu den Ergebnissen der Studien von Ornish und Esselstyn, dass nur eine fettarme vegane Ernährung Arteriosklerose bzw. eine koronare Herzkrankheit stoppen und rückgängig machen kann. https://www.provegan.info/de/studien/alle-studien/wie-man-die-haeufigste-todesursache-verhindern-kann/ Das kann kein Medikament, keine Operation und keine andere medizinische Therapie! Es wäre ja absolut verrückt, wenn man zur Verhütung der koronaren Herzkrankheit Fett, Milch und Fleisch konsumieren und zur Therapie genau dieser Erkrankung Fett, Milch und Fleisch vermeiden müsste. Auf diesen krassen Widerspruch kommen die beteiligten Wissenschaftler offensichtlich nicht oder ignorieren ihn bewusst.

 

Die wichtigsten Gründe, warum die „Pure“-Studie irreführend ist und ihre Empfehlungen gesundheitsgefährdend sind:

     

  1. Die Wissenschaftler der „Pure“-Studie unterscheiden nicht einmal zwischen raffinierten Kohlenhydraten (wie z. B. Haushaltszucker und den mit Zucker versetzten Nahrungsmitteln) und komplexen Kohlenhydraten (in naturbelassenen pflanzlichen Nahrungsmitteln), sondern werfen alle unter der Bezeichnung „Kohlenhydrate“ in einen Topf. Dies offenbart, dass es den beteiligten Wissenschaftlern entweder an jeglichem Basiswissen über Ernährung fehlt oder dass sie vorsätzlich tendenziöse unseriöse Absichten hegen. Denn es ist in den Ernährungswissenschaften völlig unbestritten, dass raffinierte Kohlenhydrate äusserst gesundheitsschädlich und komplexe Kohlenhydrate äusserst wertvoll für die Gesundheit sind. Schon allein dieser fachliche Fehler macht die Ergebnisse der Studie unbrauchbar. Empfehlungen aus diesen Daten abzuleiten, ist daher unseriös. Trotzdem tun dies die Wissenschaftler.
  2. Obwohl die Daten der Studie zeigen, dass eine Zunahme des Verzehrs von Obst und Gemüse die Mortalität senkt, sprechen die Wissenschaftler keine Empfehlung für einen vermehrten Obst- und Gemüsekonsum aus. Stattdessen empfehlen sie Fett, Milch und Fleisch.
  3. Es werden die Daten aus 18 Ländern generiert, darunter nur 3 reiche Industrieländer. Es ist bekannt, dass in armen Ländern das Hauptproblem darin besteht, genügend Nahrung zu bekommen. In diesen Ländern werden aus der reinen Not heraus von den Ärmsten vorwiegend Kohlenhydrate verzehrt. Da die Ernährung oft äussert einseitig und mangelhaft ist, resultiert meistens ein Mangel an Mikronährstoffen, der zu einer verringerten Lebenserwartung wegen Mangelernährung führt. Reichere Bevölkerungsschichten können sich dagegen Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch leisten, so dass eine Versorgung mit allen Nährstoffen gesichert ist. Ausserdem können sich reichere Bevölkerungskreise eine bessere medizinische Versorgung leisten, was die Lebenserwartung zusätzlich erhöht. Dies führt gegenüber der armen mangelernährten Bevölkerung trotz der negativen Auswirkungen der konsumierten Fleisch- und Milchprodukte zu einer höheren Lebenserwartung. Aus der Tatsache, dass arme hungernde Kohlenhydratesser mit schlechter medizinischer Versorgung früher sterben als Reiche mit guter medizinischer Versorgung und einem guten Angebot an Obst, Gemüse, Milch und Fleisch, kann man nicht ernsthaft schliessen, dass Fett, Milch und Fleisch für die höhere Lebenserwartung verantwortlich seien. Das ist grotesk. Genauso grotesk wäre es, Cola als gesundes und die Lebenserwartung steigerndes Getränk zu empfehlen, nur weil ein Verdurstender in der Wüste durch das Trinken von Cola überlebte.
  4. Die Studie unterscheidet zwar zwischen gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, sagt aber nichts darüber aus, ob die Fette aus tierlichen oder pflanzlichen Quellen, und was besonders wichtig ist, aus vollwertigen naturbelassenen pflanzlichen Nahrungsmitteln wie z. B. Nüssen und Samen stammen. Denn nur Fette aus naturbelassenen pflanzlichen Nahrungsmitteln sind gesund, pflanzliche Öle dagegen ungesund. Besonders ungesunde Transfette wurden gar nicht erfasst.
  5. Die Probanden wurden lediglich zu Beginn der Studie nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Dass sich Ernährungsgewohnheiten über viele Jahre ändern, wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Daher sind die Ergebnisse wertlos.
  6. Letztlich wurde in der Studie eine gesunde rein pflanzliche Ernährung nicht berücksichtigt. Es wurden lediglich ungesunde Ernährungsweisen mit ungesunden Ernährungsweisen verglichen.

  7. Es ist immer sehr schwierig, die Verbindungen zu den Geldgebern einer Studie herauszufinden. Auffällig ist bei dieser Studie, dass sie u. a. von mehreren Pharmafirmen und der „Heart and Stroke Foundation“ finanziert wurde, die wiederum von der Milchindustrie finanziert wird. Es ist schon sehr augenfällig, dass eine Studie so krasse methodologische Fehler aufweist, die seriöse Ergebnisse unmöglich machen, dennoch aber Empfehlungen gegeben werden, die den ganzen bisherigen seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen und die genau die Produkte der Tierindustrie als gesund und lebensverlängernd hervorheben, die mit der Finanzierung der Studie zu tun haben.
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